Marluk: Cover Reveal für das Bestiarium Groenlandica
Marluk ist grönländisch und bedeutet »Zwei«. Nach Sila, unserem ersten Buch, kommt nun »ataaseq aamma marluk« (eins und zwei), das zweite Werk aus Grönland zu uns!
Bestiarium Groenlandica: Die mythischen Wesen Grönlands
Als wir das Bestiarium Groenlandica zum ersten Mal sahen, war sofort klar: Das muss nach Deutschland. Ein Kompendium voller Kreaturen, Geister und Wesen aus der grönländischen Mythologie, illustriert von zeitgenössischen grönländischen und nordischen Künstler:innen. Rau, düster, geheimnisvoll und atemberaubend schön.
Maria Bach Kreutzmann, Autorin, Illustratorin und Forscherin, stellte sich eine eigentlich einfache Frage: Was wissen wir wirklich über all die Wesen, die in den alten grönländischen Mythen leben? Die Antwort war komplizierter als gedacht. Während der Kolonialisierung wurden viele dieser Erzählungen nur von wenigen bewahrt. Traditionell wurden Geschichten in Grönland erzählt, nicht aufgeschrieben. Dazu kamen regionale Besonderheiten in Nord-, West-, Süd- und Ostgrönland. Maria kannte die bekanntesten Wesen wie Tupilak und Qivittoq, aber da musste doch mehr sein. Also machte sie sich auf die Suche und fand ein ganzes Universum.
Zitat aus dem Vorwort von Maria Bach Kreutzmann:
»Mir ist bewusst, dass nicht alles niedergeschrieben ist. Wir sind Nachkommen einer mündlichen Erzähltradition. Daher ist die ältere Generation eine unerschöpfliche Quelle von Geschichten, und ihr Wissen von einer mitunter verborgenen und vergessenen Welt darf nicht unterschätzt werden. Es waren sie und ihre Ahnen, die den Menschen in Grönland sowie interessierten Reisenden Geschichten erzählten, Geschichten, die später aufgeschrieben wurden. Ohne diese Geschichtensammlerinnen und Geschichtensammler wären uns diese Fabelwesen unbekannt und hätte das Buch nicht entstehen können. Meine Familie und Vorfahren haben in den letzten Jahrhunderten zur Vermittlung unserer Kultur und Kulturgeschichte beigetragen, und sie waren in Gedanken bei mir, blickten mir über die Schulter und erinnerten mich an das reiche Erbe, das uns allen gehört und das wir durch Erneuerung bewahren müssen.«
Da wäre zum Beispiel der KILIFFAK, ein langhaariges, sechsbeiniges Wesen, größer als ein Eisbär. QAMALLARLUTIK, AMAARSISARTOQ, IKUSIK: ihre Namen klingen wie Wind über Eis, ihre Geschichten sind wild, gefährlich, manchmal schelmisch. Über 65 mythische Wesen werden im Bestiarium Groenlandica beschrieben.

Acht Künstler:innen illustrieren die mythischen Wesen
Was das Bestiarium Groenlandica so besonders macht, ist nicht nur das erstmalig in dieser Form gesammelte Wissen über die mythischen Wesen. Es ist auch die visuelle Neuinterpretation durch zeitgenössische Kunst.
Maria Bach Kreutzmann (ausgebildete Illustratorin, Computer Graphics Art am Animation Workshop / VIA University College in Viborg) versammelte für das Projekt sieben nordische Illustrator:innen:
- Agust Kristinsson
- Carina Lillegaard Løvgreen
- Christian Fleischer Rex
- Coco Apunnguaq Lynge
- Jonatan Brüsch
- Maja-Lisa Kehlet
- Martin Brandt Hansen
- Maria Bach Kreutzmann (als achte Illustratorin)
Jede:r von ihnen brachte einen eigenen Stil, eine eigene Sichtweise mit. Gemeinsam schufen sie etwas, das es so noch nie gab: grönländische Mythologie im 21. Jahrhundert. Keine altbackenen Nacherzählungen, sondern kraftvolle, moderne Interpretationen, die den rauen Geist der alten Geschichten atmen.
Die Illustrationen im Bestiarium Groenlandica sind spektakulär: düster und wunderschön zugleich. Wesen zwischen Traum und Albtraum, zwischen Natur und Übernatürlichem. Man spürt Kälte, Weite, Gefahr und zugleich Magie.
Recherche, die in die Tiefe geht
Hinter den Bildern steckt monatelange Recherche. Ein Team aus Maria Bach Kreutzmann, Ujammiugaq Engell, Robin Fenrir Mansa Hillestrøm und Qivioq Nivi Løvstrøm hat alles durchforstet: alte Aufzeichnungen, mündliche Überlieferungen, wissenschaftliche Quellen. Das Ergebnis ist ein Kompendium, das sowohl wissenschaftlich fundiert als auch künstlerisch außergewöhnlich ist.

Das Cover: Ein QIVITTOQ blickt uns an
Genau so ein Wesen ziert das Cover vom Bestiarium Groenlandica: ein QIVITTOQ, ein Mensch, der sich von der Gemeinschaft abgewandt hat und in die Wildnis geflohen ist. Durch das Leben in der Einsamkeit verwandelt er sich in ein übermenschliches Wesen mit außergewöhnlichen Kräften: schneller als jeder Mensch, stärker, gefährlicher. Aber auch tragisch, denn hinter jedem QIVITTOQ steht eine Geschichte von Verlust, Einsamkeit, Verwandlung.
Das Cover fängt genau diese Spannung ein: kraftvoll, fremdartig, faszinierend. Man sieht die Verwandlung, spürt die Präsenz und ahnt die dunkle Geschichte dahinter.
Auch in zeitgenössischen Erzählungen spielt der QIVITTOQ eine Rolle, wie im ersten ausschließlich auf grönländisch gedrehten Horrorfilm „Qaqqat Alanngui“ von Malik Kleist. Den Trailer findet man auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=Xn4cbTkr8Us
Deutsche Ausgabe des Bestiarium Groenlandica: Übersetzung & Gestaltung
Die deutschen Übersetzungen vom Bestiarium Groenlandica stammen von Miranda M. Nicholas-Zaar und André Wilkening, die nicht nur die Sprache, sondern auch die Stimmung der grönländischen Originaltexte eingefangen haben. Gestaltet hat Cover und Inhalt für die deutsche Ausgabe Björn Pollmeyer, anhand der Vorlage aus Grönland.
Erscheint zur Leipziger Buchmesse 2026
Mit dem Bestiarium Groenlandica machen wir etwas Besonderes: Wir bringen nicht nur grönländische Literatur, sondern auch grönländische Weltsicht, Spiritualität und Kunst nach Deutschland. Das Buch wurde gemeinsam mit unserem Partner Milik Publishing aus Grönland entwickelt.
Und jetzt?
Jetzt freuen wir uns wahnsinnig auf Leipzig, wo ihr das Bestiarium Groenlandica zum ersten Mal in die Hand nehmen könnt. Wo ihr die Illustrationen seht, die Geschichten lest und in diese raue, magische Welt eintaucht.
Was denkt ihr? Kennt ihr schon die Geschichten der QIVITTOQ? Oder seid ihr genauso gespannt wie wir, diesem verwandelten Wesen und all den anderen mythischen Geschöpfen Grönlands zum ersten Mal zu begegnen?
Qujanaq, danke, dass ihr mit uns auf diese Reise geht.
Warum Marluk
Marluk bedeutet »zwei« auf Kalaallisut (Gröndändisch). Bestiarium Groenlandica ist unser zweites Buch aus Grönland. Lass uns gemeinsam die Brücke zwischen Grönland und Deutschland bauen, eine Geschichte nach der anderen.
